Leipzig (tzn) – Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat am Donnerstag bekanntgegeben, den Polizeiruf 110 am Standort Halle (Saale) nach nur drei Episoden einzustellen. Der Grund ist so ungewöhnlich wie erfreulich: Es gibt keine Verbrechen mehr. Kommissarin Koitzsch hat sämtliche kriminellen Aktivitäten in der Saalestadt restlos aufgeklärt.

„Wir stehen vor einem einzigartigen Problem in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Kriminalfernsehens“, erklärte MDR-Intendant Ralf Ludwig bei einer Pressekonferenz. „Normalerweise werden Krimiserien abgesetzt, weil die Quoten schlecht sind. Bei uns ist es umgekehrt: Die Quoten waren hervorragend, aber uns ist buchstäblich der Stoff ausgegangen.“

Die Statistik ist beeindruckend: In Folge eins klärte Kommissarin Koitzsch (gespielt von der brillanten Schauspielerin, deren Namen die Redaktion vergessen hat) nicht nur den zentralen Mordfall, sondern nebenbei auch 47 ungelöste Altfälle, drei Versicherungsbetrügereien und einen besonders hartnäckigen Fall von Falschparken auf dem Marktplatz. In Folge zwei räumte sie mit einer organisierten Bande von Kuchendieben auf dem Hallenser Weihnachtsmarkt auf. In Folge drei – der letzten – war sie gezwungen, sich selbst wegen einer überzogenen Parkuhr anzuzeigen, da es schlicht keine anderen Verdächtigen mehr gab.

Die Stadt Halle feiert den Zustand der Verbrechensfreiheit mit gemischten Gefühlen. Oberbürgermeister Bernd Wiegand sprach von einem „historischen Moment“ und kündigte an, das nun überflüssige Polizeirevier in ein Museum umzuwandeln. Gleichzeitig warnte er: „Ohne den Polizeiruf verlieren wir einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Die Filmcrew hat im Schnitt 400 Brötchen pro Drehtag bestellt. Das fehlt dem lokalen Bäckereigewerbe.“

Die Schauspielerin, die Kommissarin Koitzsch verkörpert, zeigte sich philosophisch: „Es ist bitter, wenn man seinen Job zu gut macht. Ich war so überzeugend, dass die Verbrecher offenbar beschlossen haben, nach Leipzig umzuziehen. Was, wie ich höre, die dortige Tatort-Produktion sehr freut.“ Tatsächlich meldete die Leipziger Polizei in den vergangenen Wochen einen Anstieg der Kriminalität um 340 Prozent – „hauptsächlich zugezogene Verbrecher aus Halle“.

Der MDR prüft nun Alternativen. Im Gespräch ist eine Spin-off-Serie, in der Kommissarin Koitzsch als freiberufliche Ermittlerin durch Sachsen-Anhalt reist und Kleinstdelikte aufklärt – Arbeitstitel: „Koitzsch klärt auf: Wer hat den Gartenzwerg umgestoßen?“ Außerdem soll ein Doku-Format entstehen, das Halles verbrechensfreien Alltag begleitet. Der Sendeplatz am Sonntagabend wird vorläufig mit Wiederholungen von „In aller Freundschaft“ gefüllt.