Rom (tzn) – Beim G7-Gipfel in Rom hat der Bundeskanzler in seiner Eröffnungsrede exakt 23 Minuten und 41 Sekunden lang die Interessen Dänemarks vertreten, ohne dass es einem einzigen der anwesenden Staats- und Regierungschefs auffiel. Er forderte unter anderem höhere EU-Subventionen für die dänische Lachsindustrie, eine europaweite Hygge-Pflicht sowie die sofortige Anerkennung von Smörrebröd als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Der Saal applaudierte höflich.

Der diplomatische Fauxpas flog erst auf, als der Kanzler gegen Ende seiner Rede den dänischen Ministerpräsidenten als „meinen geschätzten Amtskollegen aus Österreich“ bezeichnete und ihm „für die hervorragenden Wiener Schnitzel beim gestrigen Abendessen“ dankte. An diesem Punkt, so berichten Augenzeugen, habe der italienische Gastgeber zum ersten Mal von seinem Handy aufgeblickt, und die kanadische Premierministerin habe irritiert ihr Namensschild kontrolliert, um sicherzugehen, dass sie beim richtigen Gipfel saß.

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte auf den Vorfall mit bemerkenswerter Gelassenheit. „Ich war zunächst milde verwirrt, dann aber ehrlich geschmeichelt“, teilte sie über ihren Sprecher mit. „Die Rede war im Übrigen ausgezeichnet. Besser, als ich sie selbst hätte halten können. Besonders der Passus über die Notwendigkeit einer europäischen Lakritz-Mindestversorgung hat mich tief berührt.“ Frederiksen bot dem Kanzler anschließend an, im Gegenzug beim nächsten EU-Rat die deutschen Interessen zu vertreten. „Ich könnte über Autobahnen reden. Oder über Pfandrückgabe. Was auch immer gerade in Deutschland wichtig ist.“

Hinter den Kulissen versuchte die offizielle deutsche Delegation während der Rede verzweifelt, den Kanzler auf seinen Irrtum aufmerksam zu machen. Wie aus Delegationskreisen durchsickerte, schickte Außenamts-Staatssekretär Dr. Tobias Notizblock insgesamt 14 handgeschriebene Zettel nach vorne, die jedoch allesamt vom Kanzler übersehen oder als „Servietten“ beiseitegelegt wurden. Ein Versuch, die korrekte Länderzuordnung per Google Translate auf dem Diensthandy zu überprüfen, scheiterte an einem WLAN-Ausfall im Konferenzzentrum. „Ausgerechnet in dem Moment, als wir die Übersetzung für ›Sie reden über das falsche Land‹ auf Dänisch brauchten, war das Internet weg“, klagte ein Mitarbeiter.

Die Pressesprecherin des Kanzlers, Miriam Spindoktor, trat am Nachmittag vor die versammelte Hauptstadtpresse und lieferte eine bemerkenswerte Erklärung: Der Kanzler habe keineswegs die Länder verwechselt, sondern bewusst „die diplomatische Flexibilität Deutschlands unter Beweis gestellt“. Es handle sich um eine neuartige außenpolitische Strategie namens „Empathie-Diplomatie“, bei der man die Perspektive anderer Länder einnehme, um „ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse unserer europäischen Partner zu entwickeln“. Auf die Nachfrage, warum der Kanzler dann Österreich erwähnt habe, antwortete Spindoktor: „Das war meta-empathisch. Nächste Frage.“

Ein internes Memo, das der Redaktion vorliegt, wirft jedoch ein weniger strategisches Licht auf die Angelegenheit. Demnach hatte ein Praktikant im Kanzleramt am Vorabend die Briefing-Mappen für den Gipfel alphabetisch sortiert und dabei die Ordner „Dänemark“ und „Deutschland“ vertauscht – beide beginnen bekanntlich mit dem Buchstaben D. Der Kanzler, der die Mappe erst im Flugzeug öffnete und laut Flugbegleitern „nach drei Seiten eingeschlafen war“, bemerkte den Fehler offenbar nicht. Der Praktikant wurde inzwischen in die Abteilung für Lichtenstein-Angelegenheiten versetzt, wo er „weniger Schaden anrichten kann“.

Die übrigen G7-Staats- und Regierungschefs hatten den Irrtum nach eigener Aussage durchaus bemerkt, ihn aber bewusst nicht angesprochen. Der französische Präsident erklärte gegenüber Journalisten: „Wir dachten, das sei so ein deutscher Humor. Ihr wisst schon – sehr trocken, sehr lang, und am Ende versteht niemand die Pointe.“ Der britische Premierminister ergänzte: „Ich persönlich fand die Rede äußerst unterhaltsam. Vor allem den Teil, in dem er forderte, Kopenhagen zur heimlichen Hauptstadt der EU zu machen. Das war doch satirisch gemeint, oder?“ Der japanische Ministerpräsident hatte den Vorfall nach eigenen Angaben gar nicht mitbekommen, da er „diskret ein Nickerchen“ gehalten habe.

Besonders pikant: Während der Kanzler Dänemarks Interessen vertrat, saß die tatsächliche dänische Delegation – Dänemark ist kein G7-Mitglied, war aber als Gastland eingeladen – im Nebenraum und verfolgte die Rede auf einem Bildschirm. Laut Berichten brach dort ab Minute sieben spontaner Jubel aus. Ein dänischer Diplomat soll gerufen haben: „Endlich nimmt jemand unsere Lachs-Probleme ernst!“ Bis zum Abend hatte die dänische Botschaft in Berlin einen Geschenkkorb mit Rødgrød med fløde und einem handgeschriebenen Dankesbrief an das Kanzleramt geschickt.

In einer überraschenden Wendung hat der Vorfall die deutsch-dänischen Beziehungen offenbar nachhaltig verbessert. Noch am selben Abend unterzeichneten beide Seiten ein Memorandum of Understanding über eine „vertiefte Kohlkooperation“ – Deutschland liefert Sauerkraut, Dänemark liefert Rotkohl. Außerdem wird eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Thema „Skandinavisch-germanische Frühstückskultur“ eingerichtet. Analysten sprechen bereits vom „Smörrebröd-Moment“ der europäischen Diplomatie.

Der Kanzler selbst äußerte sich am späten Abend in einer kurzen Stellungnahme und versprach, beim nächsten G7-Gipfel „definitiv die richtigen Unterlagen“ mitzunehmen. Auf die Frage eines Journalisten, ob er denn wenigstens wisse, welches Land er regiere, antwortete er nach einer längeren Pause: „Selbstverständlich. Wir sind das Land mit dem Sauerkraut.“ Aus der dänischen Delegation war daraufhin ein leises „Ist er sich da sicher?“ zu hören.