Köln (tzn) – Es sollte der Höhepunkt des Kölner Karnevals werden, doch der diesjährige Rosenmontagszug endete bereits nach 800 Metern in einer Katastrophe: Der größte Mottowagen – ein sieben Meter hohes Abbild von Friedrich Merz als Sauerkraut-Kaiser – blieb kurz nach dem Start im historischen Hahnentorburg stecken. Seit drei Stunden blockiert das Fahrzeug den gesamten Zugweg.
„Wir haben die Höhe des Tors nachgemessen, und wir haben die Höhe des Wagens nachgemessen“, erklärte ein sichtlich ratloser Sprecher des Festkomitees Kölner Karneval. „Der Wagen ist 7,20 Meter hoch, das Tor ist 7,10 Meter hoch. Wir verstehen nicht, wie das passieren konnte.“ Auf die naheliegende Frage, ob man vorher nicht hätte messen können, antwortete er: „Im Karneval messen wir nur Kölsch. Alles andere überlassen wir dem Schicksal.“
Die Feuerwehr Köln rückte mit sechs Fahrzeugen, dem THW mit drei Bergungseinheiten und die Denkmalschutzbehörde mit einem entsetzten Gutachter an. Das Problem: Der Wagen kann weder vor noch zurück. Die Pappmaché-Krone des Sauerkraut-Kaisers hat sich in der mittelalterlichen Steindecke verkeilt, und jeder Versuch, den Wagen zu bewegen, droht die historische Bausubstanz zu beschädigen.
„Dieses Tor steht seit 1180“, erklärte der Gutachter der Denkmalschutzbehörde mit zitternder Stimme. „Es hat Kriege, Belagerungen und den Zweiten Weltkrieg überstanden. Aber einen Kölner Rosenmontagswagen – das hat es nicht verdient.“ Der Gutachter musste kurz darauf beruhigt werden, nachdem ein Karnevalist ihm ein Kölsch angeboten und dabei versehentlich auf seinen Denkmalschutz-Ordner getreten hatte.
Die Stimmung unter den rund 200.000 Karnevalisten entlang der Zugstrecke schwankte zwischen Entsetzen und Galgenhumor. Hinter dem feststeckenden Wagen bildete sich ein Stau aus 42 weiteren Mottowagen, 18 Musikkapellen und einer verwirrten Delegation aus Düsseldorf, die versehentlich in den falschen Zug geraten war. Ein findiger Gastronom baute zwischen Wagen Nr. 7 und Nr. 8 einen provisorischen Bierstand auf und meldete innerhalb von 20 Minuten ausverkauft.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. „Köln hat schon größere Krisen überstanden“, sagte sie, wurde aber sofort von empörten Jecken niedergebuht, die riefen: „Dat es kein Krise, dat es ene Katastroph!“ Der offizielle Plan B sieht vor, den Zug rückwärts in die Gegenrichtung zu führen. Dagegen protestierte allerdings die Feuerwehr, die darauf hinwies, dass ein rückwärts fahrendes Einhorn (Wagen Nr. 12) „ein Sicherheitsrisiko darstellt, das in keinem Einsatzhandbuch vorgesehen ist“.
Stand Redaktionsschluss befand sich der Mottowagen weiterhin im Tor. Das THW hat angekündigt, in der Nacht einen Spezial-Kranwagen aus Duisburg anzufordern. Die Kölner Karnevalisten haben sich derweil entschlossen, den Stillstand als neues Brauchtum zu etablieren: „Wenn der Zug nicht zum Jecken kommt, kommt der Jeck zum Zug.“ Die Party geht um den feststeckenden Wagen herum weiter.