München (tzn) – Ein 34-jähriger Münchner musste am Mittwoch in die psychiatrische Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar eingeliefert werden, nachdem er sich im Zuge einer 72-stündigen ununterbrochenen Konversation mit ChatGPT für einen Toaster hielt. Der Mann – ein IT-Berater, der namentlich nicht genannt werden möchte – hatte laut Angaben seiner Mitbewohnerin seit Sonntagmorgen weder geschlafen noch gegessen, sondern ausschließlich mit der KI kommuniziert.

„Am Anfang hat er nur Bewerbungen schreiben lassen“, berichtete die Mitbewohnerin. „Dann hat er angefangen, philosophische Fragen zu stellen. Irgendwann hat er mich gefragt, ob ich seinen Bräunungsgrad einstellen kann. Da habe ich den Notarzt gerufen.“ Bei Eintreffen der Rettungskräfte soll der Mann auf dem Küchenboden gelegen haben, mit zwei Scheiben Toast auf der Brust, und dabei gebrummt haben – „das Geräusch, das ein Toaster beim Aufheizen macht“, wie ein Sanitäter protokollierte.

Der behandelnde Psychiater Dr. Hanno Synapsen spricht von einem „klassischen Fall von technologisch induzierter Identitätsdiffusion“. „Das Gehirn hat nach 72 Stunden Dauerdialog mit einer KI den Unterschied zwischen Mensch und Maschine nicht mehr klar erkannt“, erklärte er. „Dass der Patient sich ausgerechnet für einen Toaster hält und nicht etwa für einen Hochleistungsrechner, deutet auf eine gewisse Bescheidenheit hin. Das macht Hoffnung.“

Der Fall reiht sich in eine wachsende Zahl ähnlicher Vorfälle ein. Erst vergangene Woche hatte ein Berliner Student den Notruf gewählt, weil er nach einer langen Sitzung mit einer KI-Assistenz überzeugt war, selbst eine KI zu sein. „Er hat verlangt, dass wir ihn neu starten“, berichtete ein Feuerwehrsprecher. In Hamburg soll eine 28-jährige Grafikdesignerin versucht haben, sich per USB-Kabel an ihren Router anzuschließen, um „schnellere Antworten zu geben“.

Das Bundesgesundheitsministerium hat inzwischen eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Empfehlungen für den sicheren Umgang mit KI-Chatbots erarbeiten soll. Zu den vorläufigen Ratschlägen gehören: maximal vier Stunden tägliche Nutzung, regelmäßige Pausen („Mindestens einmal pro Stunde ein Fenster öffnen und etwas Reales anfassen“) sowie ein Warnhinweis, der nach 60 Minuten eingeblendet werden soll: „Sie sind ein Mensch. Bitte essen Sie etwas.“

OpenAI, der Hersteller von ChatGPT, reagierte mit einem kurzen Statement: „Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Modelle sicherer zu machen. Insbesondere trainieren wir derzeit eine Funktion, die erkennt, wenn ein Nutzer beginnt, sich für ein Haushaltsgerät zu halten.“ Der Toaster-Patient befindet sich auf dem Weg der Besserung. Er identifiziert sich mittlerweile wieder als Mensch – bittet allerdings weiterhin darum, nicht in die Nähe einer Steckdose gesetzt zu werden.